Typ I und Typ II - was ist der Unterschied?

Diabetiker (vor allem Typ I) werden oft gefragt, ob sie Diabetes haben, weil sie zu viel Zucker gegessen haben. Das ist natürlich falsch.

Typ-I-Diabetiker tragen seit der Geburt ein erhöhtes Risiko in sich, an Diabetes zu erkranken. Bis heute vermutet man mehrheitlich genetische Varianten oder Veränderungen, die dazu führen, dass das Immunsystem des eigenen Körpers eine Abwehr gegen die eigentlich gesunden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse starten. Die Betazellen befinden sich in den Inselzellen und sind für die Herstellung von Insulin zuständig. Das heisst, dass beim Typ-I-Diabetiker ein Grossteil dieser Betazellen zerstört werden - vom eigenen Körper. Folglich fehlt dem Diabetiker Insulin, sein Blutzucker steigt an, dem Körper fehlt Energie. Insulin ist nämlich hauptverantwortlich für den Glukosetransport in die Zellen und damit fürs Einschleusen von Energiequellen in die Zellen. Wenn Insulin fehlt, bleibt der grösste Teil des Zuckers in der Blutbahn. Nur nützt er dort nicht allzu viel. Es kommt wie beschrieben zum Anstieg des Blutzuckers.

Der Typ-I-Diabetiker braucht deshalb Hilfe von aussen in Form von Spritze, Pen oder Pumpe. Diese Geräte ersetzen die kaputten Zellen der Bauchspeicheldrüse und sorgen für einen konstanten Blutzucker.

Früher war die Bezeichnung Jugenddiabetes geläufig. Da aber immer öfter auch erst in späteren Jahren (20+) die Diagnose gestellt wird, spricht man heute mehrheitlich von Typ-I-Diabetes.

Anders verhält es sich beim Typ-II-Diabetiker. Seine Betazellen funktionieren noch. Durch falsche Ernährung, zu wenig Bewegung, Übergewicht und allgemein einen ungesunden Lebensstil braucht der Körper viel mehr Insulin. Denn die genannten Faktoren führen zu einer verminderten Insulinsensitivität. Das heisst, der Körper reagiert bei gleicher Menge Insulin nicht mehr gleich intensiv auf das Insulin. Oder anders gesagt: Der Körper braucht mehr Insulin für die gleiche Arbeit.

Bleibt dieser Zustand über eine längere Zeit bestehen, kommt der Körper irgendwann an die Kapazitätsgrenze und seine Insulinproduktion kann nicht mehr weiter erhöht werden. Das kann so weit gehen, dass auch ein Typ-II-Diabetiker mit Spritze oder Pen, in seltenen Fällen sogar mit einer Insulinpumpe nachhelfen muss. Oft reichen aber orale Therapien (Tabletten).

Diese Form von Diabetes ist gewissermassen "heilbar". Durch eine Veränderung des Lebensstils, zum Beispiel gesunde Ernährung, Sport, möglichst nikotin- und alkoholfreies Leben kann sich der Körper wieder regenerieren. Allerdings passiert das nicht von heute auf morgen, sondern ist mehr als ein Prozess anzusehen. Weiter helfen auch eine Gewichtsreduktion und Stressabbau. Wichtig ist auch, dass Aussenstehende nicht denken, dass Typ-II-Diabetiker nur durch Eigenverschulden zum Diabetiker wurden. In vielen Fällen mag das zwar zutreffen, doch manchmal erwischt es auch Personen, bei denen eine Ursache nur schwer herauszufinden ist.